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Vorträge Seien Sie uns dazu in den Räumen des Unitätsarchivs herzlich willkommen!
Bitte beachten Sie die geänderten Daten der Vorträge von Helmfried Klottke und Rüdiger Kröger!!
29. Januar 2013
Dr. Rüdiger Kröger, Herrnhut
Peter Treschow Hanson, Carl Spielwerg, Georg Alexander Henningsen, Samuel Mygind - ein angel-dänischer Freundeskreis um 1800
15. Januar 2013, 19.30 Uhr
Helmfried Klottke, Bautzen:
Kleinwelka im Kriegsjahr 1813 und in der Schlacht bei Bautzen
16. Oktober 2012, 19.30 Uhr
Prof. Dr. Hans Rollmann, St. John's (Neufundland):
Mährische Brüder in der frühen Labradormission
Zum Inhalt:
Am 19. Februar 1776 wurde Kingminguse, der erste Inuk
in Nain, Labrador, von Johann Schneider getauft und erhielt den
Taufnamen Petrus. Der Tauftag Kingminguse's wird heute noch als ein
lokaler Feiertag in Nain gefeiert. Durch die Taufe dieses Erstlings
wurde eine direkte geistliche Verbindung zwischen Labrador und der
alten Brüderkirche Mährens geschaffen. Johann und Elisabeth (Ertel)
Schneider waren Mähren aus Zauchenthal (Suchdol) und Botenwald
(Butovice), die früher in Amerika und Grönland gewirkt hatten. In
Labrador dienten sie in allen drei Herrnhuter Siedlungen des
achtzehnten Jahrhunderts: Nain, Okak und Hoffenthal (Hopedale). Ihre
Gräber bestehen heute noch auf dem frühesten Gottesacker der Gemeine in
Hopedale. Der illustrierte Vortrag wird den Beitrag der Mähren in der
frühen Labradormission behandeln und besonders das Wirken von Johann
und Elisabeth Schneider darzustellen versuchen.
09. Oktober 2012
Henrik Wilhjelm, Ebeltoft (Dänemark)
Samuel Kleinschmidt und Grönland
12. Juni 2012, 19.30 Uhr
Dr. Rüdiger Kröger, Herrnhut:
Vom Künstler zum Missionar
Lebensbild des Christian Ludwig Krügelstein (1736-1779)
Zum Inhalt:
Christian Ludwig Krügelstein war der Sohn eines Arztes
und einer mährischen Exulantin. Sein bewegtes Leben schien zunächst den
typischen Verlauf von Mitarbeiterkindern der Brüdergemeine zu nehmen:
Erziehung in den Kinderanstalten, Besuch des Pädagogiums, erste
Beschäftigung als Lehrer. Doch schon seine Malerausbildung im
Pädagogium war eine große Ausnahme. Fünf Jahre verbrachte er später bei
dem Hofmaler und Diasporabruder J.G. Ziesenis in Hannover als dessen
Schüler und Gehilfe z.T. an verschiedenen königlichen und fürstlichen
Höfen. Von seinen Werken sind, obwohl Vieles als verloren angesehen
werden muss, noch etliche nachweisbar. Im Laufe seines Lebens hatte
sich in der Brüdergemeine die Einstellung zur Kunst gewandelt und
Krügelstein wurde in den Missionsdienst nach Westindien berufen.
15.
November 2011, 19.30 Uhr
Lubina Mahling, Spitzkunnersdorf:
Friedrich
Caspar von Gersdorf, Herrnhut und die Sorben
Zum Inhalt
»…
und haben wir uns allezeit gefreut, wenn wir die Begierde, die in
Ihnen gewesen, das
Guthe
in Ihrem Theil zu befördern, sonderlich bey dero wendischen
Unterthanen«
(Erdmuth
Dorothea von Zinzendorf an Friedrich Caspar von Gersdorf, 29.5.1738)
Oberamtshauptmann
Friedrich Caspar von Gersdorf – ein Vetter Zinzendorfs – spielte
als Ratgeber und Fürsprecher Herrnhuts in den Anfangsjahren der
jungen Gemeine eine wichtige Rolle. Zugleich setzte sich Friedrich
Caspar von Gersdorf für seine sorbischen Untertanen ein. Er
errichtete in Klix ein sorbisches Prediger- und Lehrerseminar. Dieses
wurde später nach Uhyst an der Spree verlegt und um die erste
sorbische Mädchenschule erweitert. Außerdem förderte von Gersdorf
den Druck zahlreicher Bücher in sorbischer Sprache und trug durch
seine Unterstützung der Laienarbeiter maßgeblich zur Verbreitung
von brüderischen Ideen unter den Sorben bei.
Durch
die Erschließung von neuem Quellenmaterial kann nun ein
umfassenderes und differenzierteres Bild der ersten Jahrzehnte
herrnhutischen Wirkens unter den Sorben gezeichnet werden.
12. April 2011, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Olaf Nippe, Herrnhut
"Wir gehn getrost an deiner Hand" - Ein Gang durch die Tagebuchsammlung des Unitätsarchivs zum Abschluss der Ausstellung
Zum Inhalt
Beim Archivtag im März wurde in zwei Vitrinen eine
kleine Auswahl von Tagebüchern aus der Sammlung des Archivs
präsentiert. Bevor die wertvollen Stücke wieder an ihren Ort im Magazin
zurückkehren, sollen sie noch einmal ausführlich erläutert, auf ihre
Schreiber und ihr ganz besonderes Profil eingegangen werden.
29. März 2011, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Prof. Dr. Julia Männchen, Kustodin des Gustaf-Dalman-Instituts, Greifswald
”Zwischen Niesky und Herrnhut -
Leben und Werk des Palästinaforschers Gustaf Dalman (1855-1941)"
Zum Inhalt
Frau Prof. Männchen hat 1984 ihre Dissertation mit dem Titel "Gustaf
Dalmans Leben und Wirken in der Brüdergemeine, für die Judenmission und
an der Universität Leipzig 1855-1902" vorgelegt, wozu sie umfangreiche
Forschungen im Unitätsarchiv durchgeführt hat. Das Thema ihrer
Habilitation von 1991 schloss sich dann zeitlich an: "Gustaf Dalman als
Palästinawissenschaftler in Jerusalem und Greifswald 1902-1941".
Damit ist die Person Dalmans und sein Werk umrissen: er wurde 1855 in
Niesky geboren, durchlief dort die schulische Ausbildung der
Brüdergemeine und studierte anschließend am Theologischen Seminar der
Brüdergemeine in Gnadenfeld / O.S., zu dessen Dozentenschaft er dann
auch gehörte. 1887 wechselte er an das Institutum Judaicum
von Franz Delitzsch in Leipzig, an dem vor allem Judenmissionare
ausgebildet wurden. Ab 1891 unterrichtete er dann auch als Privatdozent
an der Theologischen Fakultät in Leipzig. 1902 schlossen sich die
Jahre in Jerusalem an - Dalman wirkte dort als erster Direktor des bis
heute bestehenden "Deutschen evangelischen Instituts für
Altertumswissenschaft des Heiligen Landes". 1917 wurde er als Professor
an die Universität Greifswald berufen. Nach dem Tode seiner Frau im
Jahre 1940 übersiedelte er zu seiner Nichte Helene Marx nach Herrnhut,
starb dort im August 1941 und wurde auf dem Herrnhuter Gottesacker
begraben.
Dalman gilt als einer der größten Palästinaforscher und hat ein
umfangreiches schriftlichen Werk hinterlassen. Als Höhepunkt und
Zusammenfassung seiner Arbeit im Heiligen Land kann man den
siebenbändigen Kosmos "Sitte und Arbeit in Palästina" ansehen, aber
auch kleinere Abhandlungen sind erwähnenswert, so der kommentierte
Bildband mit Flieger- aufnahmen Palästinas oder das Büchlein über das
Heilige Grab in Görlitz aus archäolo- gischer und kunstgeschichtlicher
Perspektive.
Gustav-Dalman-Institut
15. Februar 2011, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Dr. Andreas Büttner, Kunsthistoriker in Braunschweig spricht über: ”Abraham Roentgen (1711-1793) - Leben und Werk" Vortrag aus Anlass seines 300. Geburtstages
18. Januar 2011, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Dr. Gerd-Helge Vogel, Kunsthistoriker in Zürich und Berlin spricht über: "Gustav Grunewald (1805-1878)", Fortsetzung des Vortrages vom September 2008 mit vielen neuen Entdeckungen
2. November 2010, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Helmfried Klottke, Bautzen, spricht über: "Friedrich Gruhl und die Kleinwelkaer Glockengießerei in der Brüdergemeine"
11. Mai 2010, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Dr. Felicity Jensz, Historikerin, Australien, jetzt Münster spricht über: „Die Brüdergemeine in Süd-Osten Australiens, 1848-1908“
Zum Inhalt Diese
Arbeit besteht heute nicht mehr. Frau Jensz ist nicht weit von der
Gegend, in der die Brüdergemeine gearbeitet hat, zu Hause. 60 Jahre
waren Missionare der Brüdergemeine unter den Ureinwohnern im Süd-Osten
Australiens tätig. Als Australien noch als Britische Kolonie bestand,
gründeten sie drei Missionsstationen: Lake Boga (1849-1856), Ebenezer
(1859-1904) und Ramahyuck (1862-1908), deren Geschichte aus Briefen
dargestellt wird. Ein Schwerpunkt dieses Vortrags wird das Leben
Friedrich August Hagenauers (1829-1909), einem sehr einflussreichen
Missionar in Australien, sein. Hagenauer war nicht nur von Seiten
vieler Naturwissenschaftler geachtet, sonder hat sich auch in die
Politik der Kolonie eingemischt. Er war Sekretär des „Board for the
Protection of the Aborigines“, die Behörde, die über die Ureinwohner
der Kolonie Victoria Kontrolle ausübte. Unter Hagenauers Einfluss wurde
1886 ein rassistisches Gesetz eingeführt, das die Wirkung hatte, dass
die sogenannten „Mischlinge“ - Menschen, die eingeborene und auch
europäische Ahnen hatten - nicht mehr an den Missionsstationen wohnen
durften. Dieses Gesetz führte zur Schließung vieler Missionsstationen,
weil sie nun zu wenig Bewohner hatten.
Zur Person Dr.
Felicity Jensz ist geborene Australierin und arbeitet zur Zeit als
Post-Doktorandin am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der
Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Ihre Doktorarbeit schrieb
sie über die Brüdergemeine in Australien. Ihr jetziges
Forschungsprojekt folgt der Geschichte und Lehrtätigkeit des
Missionspaars Hartmann, das im 19. Jahrhundert sowohl in Australien als
auch in Kanada für die Brüdergemeine missionarisch tätig war.
16. Februar 2010, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Prof. Dr. Jürgen Lafrenz, Universität Hamburg spricht über: „Herrnhuter als Kolonisten in den britischen Kolonien der amerikanischen Ostküste“
Zum Inhalt Auf
dieses Thema ist er bei seiner Arbeit für den Herrnhuter Städteatlas
gestoßen. Der Missionseifer der Brüdergemeine und das britische
Kolonisierungsinteresse brachten ab 1735 die Herrhuter in die
heranwachsenden Kolonien am nordwestlichen Atlantik. Es war den
britischen Behörden willkommen, dort Protestanten verschiedener
Provenienz quasi als „Puffer“ gegen die Spanier und die Franzosen
anzusetzen. Es kam nach wenig erfolgreichen Bemühungen durch die
Herrnhuter in Georgia zum Aufbau und Ausbau zahlreicher Orts- und
Landgemeinen, in Pennsylvania und in North Carolina sogar zweier in
sich differenzierter Siedlungsnetze. Der Vortrag wird sich mit den
mittelbaren Anstößen der Kolonisation durch die Herrnhuter,
insbesondere den Zielsetzungen von Zinzendorf und Spangenberg und deren
konkrete Einflussnahme auf die ersten Siedlungen befassen. Es werden
weiter die Prozesse der Siedlungsnahme sowie die wirtschaftlichen
Wachstumskräfte in das Blickfeld gerückt. Das besondere Augenmerk gilt
dem gestalterischen Habitus sowie der funktionalen Differenzierung der
jeweiligen Siedlungen, wobei auch der Frage nachgegangen wird,
inwiefern schon zuvor in Europa gewordene Siedlungen, wie Herrnhut oder
Herrnhaag, als Vorbilder dienten.
4. November 2008, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Der Historiker Thomas Ruhland aus Potsdam spricht über: "Die sogenannte Nikobaren-Mission der Herrnhuter und ihr Verhältnis zu den Hallischen Missionaren"
im Herbst 2008, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Pfarrer Dr. Thilo Daniel aus Dresden spricht über: "Zinzendorf in Dresden"
12. Februar 2008, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Achivarin und Theologin Claudia Mai aus Jonsdorf spricht über: "Carl August Baumeister (1741-1818) - Leben, Werk und Bedeutung für die Brüdergemeine an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert"
6. November 2007, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Dr. Stefan Michel aus Weida spricht über ein: "Relikt einer unmittelbaren Frömmigkeit – Das Ebersdorfer Gesangbuch von 1742/45"
Zum Inhalt In
den „Bekenntnisse einer schönen Seele“ in Johann Wolfgang von Goethes
Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ greift die Erzählerin auf
ihrer Suche nach tieferer religiöser Erfahrung zum Ebersdorfer
Gesangbuch und findet darin Lieder, „die, freilich unter sehr seltsamen
Formen, auf dasjenige zu deuten schienen, was ich fühlte; die
Originalität und Naivität der Ausdrücke zog mich an. Eigene
Empfindungen schienen auf eigene Weise ausgedrückt; keine
Schulterminologie erinnerte an etwas Steifes oder Gemeines.“ Was war
das für ein besonders Gesangbuch? In welcher Atmosphäre ist es
entstanden? In der ersten Auflage erschien das Ebersdorfer Gesangbuch
1742 als eine eigenständige Publikation der Ebersdorfer Gemeine, die
sich als selbständig gegenüber Herrnhut ansah. Es enthielt zahlreiche
Lieder, die in Ebersdorf entstanden waren. In diesem Buch vereinten
sich verschiedene frömmigkeitliche Strömungen, was typisch für
Ebersdorf in dieser Zeit war. Eine zweite Auflage erschien 1745, da die
Nachfrage speziell nach diesem Gesangbuch auch außerhalb von Ebersdorf
sehr groß war. Doch schon durch die Zugaben, die in den Jahren 1744
(zweite Zugabe) und 1746 (dritte Zugabe) erschienen, machen den Wandel
in der Gemeinde und ihrer Frömmigkeit sichtbar. Es kamen neue
liturgische Formen und eine neue Sprache auf, die Ausdruck der
dynamischen Frömmigkeit und Theologie der Sichtungszeit waren. Daran
wird die Auflösung und Umformung der alten Ebersdorfer Frömmigkeit
deutlich, so dass schließlich das Ebersdorfer Gesangbuch überflüssig
wurde. Beigetragen haben zu diesem Prozess der Auflösung der
Ebersdorfer Frömmigkeit das Anwachsen der Gemeine sowie das Ausscheiden
integrierender Personen, wie Heinrich XXIX. (1699-1747) oder Friedrich
Christoph Steinhofer (1706-1761). Am Ende dieses Prozesses standen sich
zwei Gemeinden gegenüber, die Brüdergemeine und die „landeskirchliche“
Orts- bzw. Schlossgemeinde. Mit der Auflösung und Umformung der
Frömmigkeit ging auch ein Identitätswandel einher. Man fühlt sich nicht
mehr als besondere Ebersdorfer Gemeine, sondern wird Teil der
Brüdergemeine, deren Gesangbuch schließlich von der Gemeine übernommen
wurde. Bemerkenswert am Ebersdorfer Gesangbuch ist die Möglichkeit
für eine Gemeinschaft, sich ihr eigenes Gesangbuch zu schaffen, das nur
der Befriedigung ihrer Bedürfnisse diente. Dies zeigen die zahlreichen
Ebersdorfer Lieder, die sich sonst in keinem anderen Gesangbuch finden.
Zur Person Stefan
Michel, Jahrgang 1975, wurde 2006 mit einer Arbeit über
„Gesangbuchfrömmigkeit und regionale Identität“ an der Augustana
Hochschule in Neuendettelsau promoviert. Er ist zur Zeit Vikar der
Evangelisch-lutherischen Kirche in Thüringen.
25. September 2007, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Dr. Otto Teigeler aus Düsseldorf spricht über: "Zinzendorf und Russland"
Zum Inhalt Dieses
Referat ist in gewisser Weise eine Fortführung des Referates von Arthur
Manukyan, das dieser im November des vorigen Jahres im Unitätsarchiv
gehalten hat („Zinzendorf und die orthodoxen Kirchen im Orient“). Diesmal
geht es also um Russland. Dabei soll zunächst geklärt werden, welches
Vorwissen Zinzendorf über Russland überhaupt hatte und wer ihm dieses
Wissen vermittelt hat. Dabei spielt bereits sein Schulbesuch in Halle
eine gewisse Rolle, aber vor allem natürlich die von Zinzendorf
initiierten Reisen David Nitschmanns (Syndikus) und Arved Gradins nach
St. Petersburg. Sodann soll versucht werden zu klären, wie Zinzendorf
diese Kenntnisse in sein theologisches, d.h. in sein
missionsstrategisches und philadelphisches Konzept einbaute und welche
Konsequenzen er daraus zog. Alle Sarepta-Fans seien also gewarnt:
Es geht nicht in erster Linie um Sarepta, sondern sozusagen um die
theologische Vorgeschichte dieser Siedlung an der Unteren Wolga, die
aber ihrerseits schon spannend genug ist!
Zur Person Otto
Teigeler ist in Unitätskreisen durch die Herausgabe von Christlieb
Suters „Geschichte der Gemeine Sarepta 1765-1775“ bekannt geworden
(Beiheft der UF Nr. 8, 1. Aufl. 2003, 2. Aufl. 2006) und hat an der
Theologischen Fakultät in Münster über „Die Herrnhuter in Russland“
promoviert (erschienen bei Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006).
Otto Teigeler wurde 1936 in Rheydt am Niederrhein geboren,
studierte in Bonn, Heidelberg und Mainz, später in Münster,
Evangelische Theologie sowie in Köln Slawistik. Als Pfarrer der
Rheinischen Landeskirche war er in Essen und Leverkusen tätig sowie am
Pädagogisch-Theologischen Institut in Bonn-Bad Godesberg. Seit seinem
Ruhestand lebt er in Düsseldorf.
15. Mai 2007, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Thea Olsthoorn, Nijmegen/NL spricht über die: "Kommunikation
mit Menschen einer nicht-schriftlichen Kultur: Die
Rekognoszierungsreisen der Herrnhuter Labrador-Mission 1752-1770"
Zum Inhalt Im
Jahre 1733 gründeten die Herrnhuter Brüder Matthäus Stach, Christian
David und Christian Stach ihre erste Missionsstation (‚Neuherrnhut’) in
Grönland. Hier in Grönland wurde auch der Plan für eine Mission in
Labrador geboren. Die geringe Zahl der grönländischen Inuit legte die
Vermutung nahe, dass sich auf dem amerikanischen Festland Landsleute
dieser Grönländer aufhalten müssten, die sich noch im Heidentum
befänden. Das Anliegen der Brüder war, auch den Inuit in Labrador das
Evangelium zu verkündigen, damit diese ebenfalls den Heiland kennen
lernen könnten. Sowohl in ihren Briefen als bei ihren Besuchen in der
Heimat setzten sich die Brüder für die Verwirklichung dieses Vorhabens
ein. 1752 wurde erstmals eine Rekognoszierungsreise nach Labrador
unternommen. Während dieser Reise war Johannes Christian Erhardt als
Vize-Kapitän und Kaufmann für den Handel mit den Labrador-Inuit
verantwortlich. Da er der Inuit-Sprache kaum mächtig war, konnte er mit
den Einheimischen nur dürftig kommunizieren. Aller Wahrscheinlichkeit
nach hat dieser Umstand den Tod Erhardts und seiner Begleiter
herbeigeführt. Die Nachricht von Erhardts Ermordung durch die
Inuit rief in Herrnhut und in den übrigen Brüdergemeinen große Erregung
hervor, so dass das Unitätsdirektorium vorläufig auf weitere
Untersuchungsreisen nach Labrador verzichtete. Der erste
Herrnhuter Bruder, der diesen Plan wieder aufgreift, ist Jens Haven im
Jahre 1764. Dank seiner gründlichen Kenntnisse der Inuit-Sprache und
seiner außergewöhnlichen kommunikativen Fähigkeiten weiß er den Kontakt
zu den Inuit geschickt herzustellen und die Begegnungen dermaßen
aussichtsreich zu gestalten, dass 1765 und 1770 weitere
Erkungungsreisen nach Labrador folgen. Sie münden in die Errichtung der
ersten Station ‚Nain’ (1771). Anhand der Tagebücher, in denen die
Brüder ihre Eindrücke und Erlebnisse festgehalten haben, lässt sich der
Hergang der Ereignisse während der Erkundungsreisen rekonstruieren. Die
Reise 1765 ist infolge der starken Bevormundung durch die Engländer –
ab 1763 steht Labrador unter englischer Botmäßigkeit – mit
beträchtlichen Schwierigkeiten verbunden. Im Rahmen der
Rekognoszierungsreisen nach Labrador sind zwei Herrnhuter Brüder
dänischer Herkunft von vorrangiger Bedeutung. Es sind der oben erwähnte
Jens Haven und der alte Christian Larsen Drachardt, die sich aufgrund
ihrer unterschiedlichen Rollen und Aufgabenbereiche gegenseitig
hervorragend ergänzen. Da ihre Bemühungen für den Erfolg der
Unternehmung ausschlaggebend waren, wollen wir das Wirken dieser beiden
herrnhutischen Missionare während der Erkundungsreisen 1765 und 1770
einer näheren Betrachtung unterwerfen.
Zur Person Thea
Olsthoorn wurde 1952 geboren, studierte in Nijmegen (NL) Germanistik
und Allgemeine Sprachwissenschaft. Sie promoviert an der TU-Dresden
(Fakultaet Erziehungswissenschaften). Der Titel ihres Vortrags ist der
Titel ihrer Dissertation.
6. Februar 2007, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Hedwig Richter aus Berlin spricht über: "Abenteuerliche
Wege - Die Herrnhuter Brüdergemeine in der SBZ und DDR und die
Beziehungen zur Moravian Church in den USA von 1945 bis 1977"
Zum Inhalt Nach
1945 wurden die Beziehungen zwischen den Herrnhutern in Deutschland und
den USA so eng wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Warum war beiden
Seiten diese Verbindung so wichtig? Und wie gelang ihnen der intensive
Austausch? Vor allem: Wie gelang das über den Eisernen Vorhang hinweg?
Wer die Aktenberge in den US-Archiven der Moravian Church durchschaut,
staunt nicht schlecht: Ganze Kisten und Ordner voller Briefe und
Unterlagen, die ein enges Verhältnis der US-Herrnhuter zu den
Geschwistern in der SBZ und der DDR dokumentieren. Die Akten der
Gemeinen in der ehemaligen DDR hingegen wissen wenig davon. Das ist
nicht erstaunlich. Die großen Spenden aus dem „Land des Klassenfeindes“
für Deutschland – viele Jahre auch für den Westen – waren von dem
sozialistischen Regime meistens nicht gern gesehen. Bischof Johannes
Vogt und die anderen leitenden Verantwortlichen fanden bei Bedarf
abenteuerliche Umwege, um die Herkunft der Gelder, der Kleider, der
Nahrungsmittel etc. zu verschleiern. Was heute kaum noch jemand weiß:
Der Herrnhuter Kirchensaal, das Förderungsheim oder der Saal in
Neukölln konnten nur mit großzügiger Hilfe aus den USA gebaut werden. Voller
Ideenreichtum sorgten die Verantwortlichen in Ost-Deutschland und den
USA auch für einen intensiven Informationsaustausch. So war nicht nur
der Transfer von materiellen Gütern möglich, sondern beide Seiten
halfen sich auch im Gebet, weil sie die Probleme der anderen gut
kannten. Konventionelle Mittel wie Briefe oder Reisen waren
keineswegs das einzige Mittel, um die Zusammengehörigkeit über den
Eisernen Vorhang hinweg zu festigen. Auch die Tradition spielte dabei
eine wichtige Rolle. Brüderische Eigenarten – wie die Gebetswacht oder
die missionarische Arbeit – wurden zu einem wichtigen Band. Besonders
interessant ist dabei die Rückbesinnung auf Tradition nach 1945, oft
geradezu eine „Erfindung von Tradition“, um sich seiner selbst und
seiner internationalen Identität bewusst zu werden.
Zur Person Hedwig
Richter, Jahrgang 1973: Nach einem Sozialen Jahr in Israel studierte
sie Geschichte, Germanistik und Philosophie in Heidelberg, Belfast und
Berlin. In Berlin absolvierte sie das erste und zweite Staatsexamen.
Als freie Journalistin schrieb sie für die taz, die Frankfurter
Rundschau und die Freie Presse (Chemnitz). Sie promoviert über
Lebenswelt und transnationale Verbindungen der Herrnhuter Brüdergemeine
in der SBZ und DDR, gefördert mit Stipendien der Stiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Deutschen Historischen Instituts
in Washington.
7. November 2006, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Arthur Manukyan aus Göttingen spricht über die: "Brüderboten im Orient - Herrnhuter Begegnungen mit Orthodoxen Kirchen im 18. Jahrhundert"
Zum Inhalt Der
Emissario des Grafen Zinzendorf und der erneuerten Brüdergemeine, der
Schwede Arvid Gradin wurde im November des Jahres 1739 mit einer
Botschaft an den Ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel entsandt.
Er traf am 24. März 1740 in Konstantinopel ein und führte in den
folgenden Wochen und Monaten Verhandlungen mit der Griechischen
Orthodoxen Kirche. Während dieser Verhandlungen erinnerte er die
orthodoxen Griechen an ihre alte Freundschaft mit den Mähren und den
Böhmischen Brüdern, führten diese doch ihre Abstammung auf die
orientalische Christenheit zurück, und erzielte ein erstaunliches
Ergebnis: Der Patriarch ließ ein Empfehlungsschreiben für die
Brüder-Mission im Bereich der Orthodoxen Kirchen aushändigen. Es stellt
ein theologisches und diplomatisches Meisterwerk dar, besonders im
Angesicht der schwierigen Situation der Christen im Osmanischen Reich. Eine
Fortsetzung fand diese Begegnung etwa ein Jahrzehnt später. Im Jahre
1752 wurde der Herrnhuter Missionar Friedrich Wilhelm Hocker nach Kairo
ausgesandt. Er lebte zwei Jahre in Kairo und lernte Arabisch, bevor er
das Grußschreiben Zinzendorfs ins Arabische übersetzen und auf diese
Weise in Kontakt mit dem Patriarchen der Koptischen Orthodoxen Kirche
treten konnte. Mit diesem führte Hocker ebenfalls Gespräche über die
Geschichte und die Lehre der beiden Kirchen. Bis zum Jahre 1782 baute
die Brüdergemeine eine Missionsstation in Kairo auf, darin sich im
Laufe der Zeit mehrere Herrnhuter Brüder aufhielten und
freundschaftliche Kontakte zu den koptischen Christen pflegten. Ihre
seelsorgerische Arbeit war sehr geschätzt. Auch in Kairo erhielt die
Brüdergemeine Empfehlungsschreiben vom Patriarchen. Sowohl die
Begegnung in Konstantinopel als auch die in Kairo stellen für die
Geschichte der protestantisch-orthodoxen Ökumene über das 18.
Jahrhundert hinaus eine der interessantesten und wertvollsten
Begebenheiten dar. Denn sie sind nicht allein vom ökumenischen
Weitblick des Grafen Zinzendorf getragen worden, sondern fanden auch
bei der Gegenseite Partner und Befürworter. Die Griechische und
Koptische Orthodoxe Kirche stehen dabei beispielhaft für die beiden
Zweige des Orthodoxen Christentums, des Orientalischen (Kopten,
Armenier, Äthiopier u. a.) und des Byzantischen (Griechen, Russen
u.a.). Um die Gesandten der Brüdergemeine, um einzelne Briefe des
Grafen Zinzendorf und der Patriarchen, zugleich um Orthodoxe Kirchen im
Orient wird es in dem Vortrag gehen.
Zur Person Arthur
Manukyan ist 1975 in Jerewan / Armenien geboren und ist Mitglied in der
Armenisch Orthodoxen Kirche. Er hat in Jerewan Germanistik und in
Deutschland Germanistik und Theologie studiert. Gegenwärtig schreibt er
seine Dissertationsarbeit an der Theologischen Fakultät in Göttingen.
Auch er benutzt das Unitätsarchiv als Fundgrube.
12. September 2006, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv Robert Langer aus Ohorn spricht über: "Nikol von Gersdorf - Landvogt der Oberlausitz und Großvater des Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf"
Zum Inhalt Robert
Langer arbeitet über den Pietismus in der Lausitz und speziell über
Henriette Katharina von Gersdorf und stößt immer wieder auf deren Mann
Nikol von Gersdorf, der das höchste Amt der Oberlausitz innehatte und
dadurch großen politischen Einfluss in unserer Region ausübte. Er hat
es verdient, einmal in seinem Wirken in den Mittelpunkt gestellt zu
werden und nicht immer nur als Großvater Nikolaus Ludwig von
Zinzendorfs oder Gemahl von Henriette Catharina von Gersdorf geb.
Friesen am Rande erwähnt zu werden, wie es in verschiedenen Lexika zu
finden ist. Eine intensive Beschäftigung mit der Gestalt der
Henriette Catharina von Gersdorff, deren Wirken hinter den Kulissen am
sächsischen Hof nicht ohne Folgen für Sachsen, die Oberlausitz und die
Verbreitung des Pietismus blieb, verdeutlichte die Rolle ihres Ehemanns
Nicol von Gersdorff, die dieser als Diplomat im Kontext von
kursächsischer und Reichspolitik spielte. Das frühneuzeitliche
Eheverständnis, aber auch der ebenbürtige Bildungsstand formte bei
diesem Paar eine erstaunliche Konsistenz bei der Verfolgung seiner
Ziele. Diese waren immer eingebettet in einem transfamiliären Rahmen,
der ein Netzwerk von lokalem bis internationalem Ausmaß besaß. Nicol
II. Freiherr von Gersdorff wurde in Doberschütz in der Nähe von Bautzen
geboren. Er stammte aus einem verarmten Oberlausitzer Adelshaus, was
seine Chancen auf eine Laufbahn bei Hofe eigentlich einschränkte.
Dennoch diente er unter fünf Kurfürsten, wurde immer wieder in seinen
Ämtern bestätigt und befördert. In seinem letzten Lebensjahrzehnt hatte
er das Amt des Landvogts der Oberlausitz inne, das vor ihm der Kurprinz
und spätere Kurfürst Johann Georg III. bekleidete. In Hofkreisen nannte
man Nicol von Gersdorff ehrfürchtig ein „wandelndes Lexicon der
Reichsgeschichte“. Während seiner Dienstzeit reiste er u. a. 1657 mit
dem Kürfürsten zur Kaiserwahl Leopolds I. nach Frankfurt und wurde für
vielerlei diplomatische Gesandtschaften im Reich, in Wien, Regensburg
und an europäischen Höfen verwendet. Bei all seinen „Gesandtschaften
machte Gersdorf sich einen Namen als geschickter Diplomat und
gravitätischer Cavalier“.(Vgl. Vehse, Eduard: Geschichte der deutschen
Höfe seit der Reformation. Bd. 31. 5.Abteilung, 4. Theil, Geschichte
der Höfe des Hauses Sachsen. Hamburg 1854, S. 154) Für die
Geschichte Herrnhuts spielte Nicol von Gersdorff ebenfalls eine nicht
unbedeutende Rolle. Er war es, der das Gut Berthelsdorf kaufte und
somit in Familienbesitz brachte, so dass es letztlich 1722 nach einigen
Wirren an seinen Enkelsohn Nikolaus Ludwig von Zinzendorf überschrieben
wurde. Gottlob Friedrich von Gersdorff, der Sohn Nicols, der in die
Fußstapfen seines Vaters trat und im obersten Beratergremium des
Kurfürsten und Königs von Polen als Geheimrat diente, ist in seiner
Bedeutung nicht nur als Onkel Zinzendorfs, sondern auch als dessen
Schutzherr ebenfalls weitestgehend unbeachtet. Eine Beschäftigung
mit der Person des Nicol von Gersdorff erhellt einige Zusammenhänge der
politischen und historischen Entwicklung in der Lausitz und bringt uns
einen Mann näher, dessen Faszination weit darüber hinausgeht, nur der
Großvater Zinzendorfs zu sein.
Zur Person Robert
Langer M.A. arbeitete im Auftrag der Umweltbibliothek Großhennersdorf
e.V. und mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung.
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